Tragisches Ritual?

Zum Aigisthosmord der euripideischen “Elektra” im Opferkontext

SARAH LANG (Karl-Franzens-Universität Graz)

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Zusammenfassung: (Opfer-)Rituale sind in der griechischen Tragödie geradezu omnipräsent und die Frage nach ihrer Funktion wurde schon unzählige Male gestellt. Das Beispiel des Aigisthosmordes in Euripides’ Elektra stellt jedoch ein verhältnismäßig wenig bearbeitetes Opfer dar und doch bietet gerade der Mord an einem Usurpator, mit dem ein Übergang der Herrschaft verbunden ist, einen interessanten Ansatzpunkt für die Ritualtheorie, auf deren Basis er als Übergangsritual verstanden wird. Gerade aus dieser Perspektive erscheint der ritualisierte Mord vielmehr als bewusster, durch ein Opfer markierter Übergangsritus – die Tragödie kann in ihrer Rolle als Zeichensystem schließlich von den Vorschriften konkreten Kults zugunsten eines symbolträchtig inszenierten Opfers abweichen – und nicht, wie ältere Interpretationen es gern sehen wollten, eine kultische Verschmutzung und Herabwürdigung des heroischen Helden durch die euripideische Tragödie. Dieser Aufsatz analysiert den Botenbericht vom Aigisthosmord im Detail, resümiert bisher an diesen gestellte Fragen und bemüht sich, besonders unter Einbeziehung von Ritual- und Werttheorie, um mögliche Antworten und neue Perspektiven auf das tragische Opferritual als literarisches Phänomen in der Strukturierung von Narrativen.

Über dIe AutorIN: Sarah Lang, geboren 1992, studierte in Graz Lehramt mit den Fächern Latein und Französisch (2011–2017) sowie ein Bachelorstudium der Archäolgie, fortgesetzt durch einen Master der Religionswissenschaft (Abschluss 2017). Seit Wintersemester 2017 ist sie an der Karl-Franzens-Universität Graz im Doktorat inskribiert und arbeitet seit 2016 im Bereich der Digital Humanities am Zentrum für Informationsmodellierung (ZIM-ACDH), aktuell an der technischen Umsetzung des ‚Grazer Repositorium antiker Fabeln (GRaF)‘ für das Institut für Klassische Philologie (Projektleitung Prof. Dr. Ursula Gärtner).