Bote und Spur

Wissensdiskurse als Möglichkeit der Figurenstilisierung in Euripides’ Elektra

ALEXANDER LAMPRAKIS (Freie Universität Berlin)

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Zusammenfassung:    Die Frage nach der Vermittlung von Wissen ist ein wesentliches Moment antiker Tragödien. Sprechen wir von Zeugenberichten, Botschaften, Zeichen, Beweisen und von Wiedererkennung, sprechen wir auch immer von Wissensvermittlung, deren Quellen, Formen und Kriterien von den Protagonisten reflektiert und abgewogen werden müssen, da sie in großem Maß relevant für ihr weiteres Handeln sind. Betrachtet man die euripideische Elektra, lassen sich zwei Archetypen der Wissensvermittlung festmachen: Boten und Spuren. Beide Formen der Wissensvermittlung vereint die Eigenschaft, Abwesendes sichtbar zu machen. Ist es beim Boten der Raum, der überbrückt wird, so ist es bei der Spur die Zeit. Doch wie werden diese Motive von Euripides in Szene gesetzt und wie arbeitet er dabei bestimmte Vorlagen und Motive auf (u.a. Homers Odyssee und Aischylos’ Choephoren)? Welche Fragen drängen sich auf, wenn Boten und Spuren auftauchen und wie reagieren die Protagonisten auf die Schwierigkeiten, die sich aus der Struktur der jeweiligen Form, Wissen zu vermitteln, ergeben? An den Beschreibungen, Fragen und Erörterungen im Zusammenhang mit diesen beiden Figuren der Wissensvermittlung an ausgewählten Passagen aus Euripides’ Elektra lässt sich ein enges Zusammenspiel von Erkenntnistheorie und Charakteranlage in der Tragödie erkennen, das einer näheren Betrachtung lohnt.

Über den Autor:    Alexander Lamprakis ist seit 2010 B.A.-Student an der Freien Universität Berlin in den Fächern Philosophie und Griechische Philologie. Seit 2013 ist er außerdem studentische Hilfskraft sowie studentischer Tutor bei Frau Professorin Dr. Sybille Krämer im Arbeitsbereich Sprach- und Medienphilosophie am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin.