Menschliches Streben und Abhängigkeit von Gott

Pindars 8. Pythische Ode

SEHERIN HOF (Universität Zürich)

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Zusammenfassung:    Der vorliegende Aufsatz geht drei Probleme in Pindars achter Pythie an: Für die mythische Passage (vv. 39–55) wird vorgeschlagen, das Problem von deren scheinbarer Unmotiviertheit im Text durch die Anwendung eines aus den Epinikien gewonnenen Konzeptes zu lösen, gemäß dem das Streben des edlen Menschen nach Erfolg diesen nur notwendig begründet, nicht aber hinreichend, da dies erst der souverän agierende Gott vermag. Dieses Konzept wird dann an zwei weitere dunkle Passagen herangetragen. Einerseits nämlich lässt sich damit die Frage nach dem Inhalt der in v. 60 erwähnten Prophezeiung des Alkmaion dahingehend beantworten, dass dieser den Sieg des Aristomenes vorausgesagt habe, andererseits lassen sich zwei unverständliche Stellen im Gebet an Apollon (vv. 67–69) erhellen: Wenn Pindar sagt, er bete ,mit willigem Geist‘, so bedeutet dies, dass er in seinem Gesang das beschriebene Erfolgsstreben zeigt, das Apollon, wenn er will, mit seiner Gunst komplettieren und das Lied somit erfolgreich machen kann; wenn er Apollon bittet, ,entsprechend irgendeiner Harmonie‘ auf sein Singen zu blicken, so bittet er um genau diese ,Zusammenfügung‘ der göttlichen Gunst mit seinem menschlichen Streben. Dieses Verständnis der conditio humana findet sich zuletzt auch in den berühmten, scheinbar pessimistischen Schlussworten der achten Pythie wieder, deren politische Dimension aufgezeigt werden kann.

Über den Autor:    Severin Hof (1991) ist Student (M.A.) an der Universität Zürich. Nach der Matura (Kantonsschule Alpenquai, Luzern) nahm er 2009 ein Studium der klassischen Philologie und der katholischen Theologie an der Universität Freiburg (Schweiz) auf und wechselte 2010 an die Universität Zürich, um Griechisch, Latein und Hebräisch zu studieren (ab 2011 Griechisch, Latein und Mittellatein); 2011 absolvierte er das Hebraicum, 2013 schloss er das B.A.-Studium ab. Fürs akademische Jahr 2014-2015 ist ein Aufenthalt an der Universität zu Köln geplant.