Antike Tragödie im Blick feministischer und psychoanalytischer Theorien

Sophokles’ Antigone bei Judith Butler und Jacques Lacan

SARAH HERHAUSEN (Ruhr-Universität Bochum)

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Zusammenfassung:   Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Figur der Antigone bei Jacques Lacan und Judith Butler. Untersucht werden die Darstellung und Rolle Antigones bei beiden. Sie vertreten hier – auch zeitbedingt – divergierende Auffassungen. Dieser Ausarbeitung zugrunde liegen der Text Antigone’s Claim von Judith Butler sowie Jacques Lacans Le Séminaire, Livre VII (L’éthique de la psychanalyse).

Die genaue Gegenüberstellung der beiden Deutungen Lacans und Butlers hinsichtlich Antigones Darstellung und Rolle innerhalb des Stücks Antigone zeigt, wie die Thematik von Politik und Verwandtschaft hinsichtlich der Deutungsansätze verschieden verarbeitet werden. Beide, Lacan und Butler, gehen auf die Grenzen der Verwandtschaft und deren Repräsentierbarkeit ein. Lacan stellt Antigones Bruch mit den Normen positiv in den Vordergrund und interpretiert ihn als Antigones ultimatives Begehren, ihr „Todesbegehren“ (Hammermeister), ein maximales Opfer. Butler geht über Lacan hinaus, auf den sie in ihrer Abhandlung eingeht, und unterstellt Antigone eine nicht nur schwesterliche Liebe zu ihrem Bruder, sondern sexuelles Begehren, das sie antreibt. Diese Vorannahme lässt Antigones Handeln in einem neuen Licht erscheinen. Außerdem zieht Butler eine Parallele zu gegenwärtigen feministischen Ansätzen. Sie erkennt in Antigone eine Vorbildfunktion für die Durchsetzung feministischer Interessen ohne staatliche Hilfe.

 

Über die Autorin:    Sarah Herhausen (1989) ist seit dem WiSe 2010/11 Studentin (M.A.) an der Ruhr-Universität Bochum in den Fächern Religionswissenschaft und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Komparatistik). Neben ihren Studienfächern hat sie das Latinum, Graecum und Hebraicum (bis 02/2015) absolviert. Ihren Bachelorabschluss erlangte sie im SoSe 2013; ihre Bachelorarbeit schrieb sie zur Entwicklung des trinitarischen Dogmas innerhalb von Augustins Theologie anhand seiner Schriften De doctrina christiana und De trinitate. Seit dem WiSe 2013/14 studiert sie im Master und schließt voraussichtlich im Oktober 2015 ihr Studium ab.