Hellenistische Leuchtfeuer in Tibulls Priapus-Elegie

Transtextuelle Bezüge zur hellenistischen Dichtung und ihre Funktion in Tibulls Elegie 1,4

HELEN E. NEUTZLER (Ruhr-Universität Bochum)

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Zusammenfassung: Tibulls Elegie 1,4 thematisiert eindrucksvoll und auf für die römische Liebeselegie äußerst ungewöhnliche Art das Versagen jeglicher Lehren, Berechnungen und Planungen im Angesicht der unbeständigen und unvorhersehbaren Liebe. Neben dem ungewöhnlichen Thema der Knabenliebe und einer außergewöhnlichen Sprechsituation, zeichnet sie sich auch insbesondere durch viele intertextuelle Bezüge zur und typische Merkmale der hellenistischen Dichtung aus. Mit Hilfe von Genettes Transtextualitätsbegriff, der die unterschiedlichen Arten von Bezügen zwischen verschiedenen Texten erfasst, werden diese für die vierte Elegie zunächst systematisch zusammengestellt, um neue Perspektiven auf ihre Bezüge zur hellenistischen Dichtung gewinnen zu können. Doch während es in Kommentaren und Aufsätzen zu dieser Elegie oft nur bei der ersten Erfassung dieser bleibt, werden im vorliegenden Aufsatz noch weiterführende Fragen gestellt: Welche Funktion erfüllen die transtextuellen Bezüge zur hellenistischen Dichtung? Wieso bedient sich Tibull ihrer gerade in dieser Elegie in einer so großen Häufung? Und über welchen Mehrwert verfügen sie für den Leser? Eine Beschäftigung mit diesen Fragen vermag Licht in die oft als sprunghaft und verwirrend beschriebene Elegie zu bringen. Denn Tibull unterstreicht gerade durch die große Zahl an transtextuellen Bezügen nicht nur die Hauptaussage der Elegie auf unterhaltsame und vielfältige Weise, sondern verwendet sie auch poetologisch als Orientierungspunkte für den Leser und führt ihn so gekonnt durch seine wendungsreiche Elegie.

Über dIE AutorIN: Helen E. Neutzler ist seit dem Wintersemester 2013/2014 B.A.-Studentin der Fächer klassische Philologie und Archäologische Wissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Schwerpunkte legt sie in diesen beiden Fächern auf Latein und die klassische Archäologie. Im Oktober 2014 wurde ihr ein Stipendium des Bildungsfonds der RUB im Rahmen des Deutschlandstipendiums verliehen.