Potsdam Mai 2015 “Moderne Kontextkonzepte und antike Literatur”

Text, Kontext, Kontextualisierung.

Moderne Kontextkonzepte und antike Literatur

Tagung an der Universität Potsdam, 7. bis 9 Mai 2015

 

„Kontext“ und „Kontextualisierung“ sind nicht nur in der Klassischen Philologie vertraute und oft nur allzu selbstverständlich gebrauchte Begriffe. Blickt man sich in der gegenwärtigen Literatur um, werden sie für höchst unterschiedliche Forschungsinteressen vereinnahmt: „Kontextualisierung“ kann so verschiedene Operationen wie die Situierung eines Textes in seinem soziokulturellen, religiösen oder intellektuellen Umfeld, die Betrachtung eines Einzelgedichts im Gefüge eines Gedichtbuches oder die Deutung eines Textteiles aus dem umgebenden Äußerungszusammenhang des Textes heraus meinen. Immer wieder wird dabei betont, dass mit diesem Verfahren grundsätzlich Wichtiges für das Verständnis der Texte zu ermitteln ist, und sobald etwas als „Kontext“ benannt ist, spricht man ihm ein Erklärungspotential zu, mit dessen Hilfe das Kontextualisierte besser als bisher zu deuten sein soll.

Das Anliegen der Tagung ist es, den Begriff des „Kontextes“ zu problematisieren: Wie wird etwas zum „Kontext“? Welche Beziehung muss zwischen Objekt und „Hintergrund“ bestehen, damit ein „Kontext“ deutungsrelevant wird? Welche Arten von „Kontexten“ kann man unterscheiden? Was ist „Kontext“ eigentlich – und was ist kein Kontext? Inwiefern berührt die Wahl des „richtigen“ Kontextes die Frage nach der Zulässigkeit einer Interpretation? Wie wirkt sich „Dekontextualisierung“ aus? Auf welchen literarischen oder narratologischen Ebenen (abstrakter Autor, Erzählerebene, Figurenebene) wird kontextualisiert? Ist Kontextualisierung nur ein Problem des Lesers und seines Rezeptionsverhaltens oder auch betrifft sie auch den Textproduzenten und seine Darstellungsstrategien? Über diese und ähnliche Fragen werden wir theoretisch reflektieren, indem wir Kontextkonzepte aus Kommunikationstheorie, Linguistik und moderner Literaturtheorie mit klassisch-philologischen Fragestellungen verbinden. Unser Ziel ist es, die bisher oft indifferent gebrauchten Begriffe zu schärfen und so auch die Möglichkeiten und Grenzen der damit verbundenen Konzepte zu bestimmen.

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