Angelika Kauffmanns Auseinandersetzung mit dem Elektra-Mythos

Bemerkungen zur bildkünstlerischen Elektra-Rezeption

DANIEL TISCHLER (Universität Wien)

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AbstractUmso mehr dann, wenn diese intermedial vom Text zum Bild verlaufen, sind produktive Rezeptionsakte imstande, das rezipierte mit dem rezipierenden Werk in ein Verhältnis einer wechselseitigen Illuminationen treten zu lassen, in welchem zuvor bloß latente Bedeutungspotenziale eines literarischen Stoffes oder einer mythologischen Figur hervorgekehrt werden können. Besonders fruchtbar lassen sich solche Vorgänge am Elektra-Mythos nachverfolgen. Denn aufgrund des Ausbleibens einer konsistenten Darstellungstradition der mykenischen Königstochter in der Bildgeschichte fallen die interpretativen Zugriffe der bildenden Kunst auf die literarischen Vorlagen – vornehmlich die kanonischen Versionen von Aischylos, Sophokles und Euripides – hier besonders vielfältig aus. Einer solchen Vielfalt kann methodisch nur entsprochen werden mittels einer präzisen Analyse, die den jeweiligen ästhetischen, soziohistorischen und funktionsgeschichtlichen Entstehungsbedingungen eines einzelnen Werks Rechnung trägt.

So exemplarisch wie modellhaft führt der vorliegende Artikel dies anhand von Angelika Kauffmanns Elektra-Gemälde der 1770er Jahre vor, einem der frühesten malerischen Zeugnisse der neuzeitlichen bildkünstlerischen Auseinandersetzung mit der Figur. Kauffmanns künstlerische Aneignung beruht zwar gezielt auf Sophokles‘ Tragödie, übersetzt die sophokleische Figur aber aufgrund sowohl eigenständiger Motivationen wie auch historisch-diskursiver Einwirkungen in ein Spannungsverhältnis aus Klassizismus und Empfindsamkeit – und tritt gerade dadurch in einen sich gegenseitig aktualisierenden Dialog mit seiner literarischen Vorlage.

Über den Autor: Daniel Tischler ist Student der Vergleichenden Literaturwissenschaft und der Kunstgeschichte an der Universität Wien wie auch studentischer Mitarbeiter am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien.