Die Aigis und ihre Thysanoi

Zu einem besseren Verständnis homer’scher Vorstellungen über den Umweg der archäologischen Forschung

MICHAEL RAKOB (Leopold-Franzens-Universität Innsbruck)

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Abstract: Innerhalb der antiken Literatur nehmen die ältesten griechischen Texte eine Sonderstellung ein. Speziell der Inhalt der homer’schen Epen wird seit Anbeginn der Altertumsforschung zur Interpretation archäologischer Hinterlassenschaften herangezogen, da man sich davon einen etwas tieferen Blick in die Vergangenheit menschlicher Vorstellungswelten erwartet. Auch heute ist die umfassende Analyse und Interpretation von Homer für die archäologische Forschung noch von essentieller Bedeutung.  Im Aufsatz wird dargelegt, wie diese Vorgangsweise in der Masterarbeit des Verfassers zum Ausgangspunkt für den Erwerb neuer Erkenntnisse in der Klassischen Archäologie wurde und gleichzeitig ein besseres Verständnis eines Topos in den Epen Homers ermöglichte.

Die homer‘schen Begriffe Aigis und Thysanoi unterlagen schon in der Antike einem Wandlungsprozess. Diese Uminterpretation verfestigte sich in der modernen Rezeption und führte unter anderem dazu, dass Darstellungen eines bei Homer geschilderten Phänomens lange Zeit verkannt wurden. Eine durch archäologische Fragestellungen angestoßene, eingehende Klärung der ursprünglichen Bedeutung dieser Begriffe im dialektischen Zusammenspiel mit einer Untersuchung der kulturhistorischen Rahmenbedingungen, den überlieferten Denkmälern sowie des Erscheinungsbildes von Unwetterwolken führt zu einer plausiblen Deutung der seit über einem Jahrhundert umstrittenen ikonographischen Elemente auf der Brust bekannter Kultstatuen kleinasiatischer Provenienz wie etwa der Artemis Ephesia. Der interdisziplinäre Umweg über die archäologische Forschung, unter Zuhilfenahme des fachfernen Wissenschaftszweigs der Meteorologie, führt schlußendlich auch zu einem besseren Verständnis der Vorstellungswelten Homers.

Über den Autor: Michael Rakob, Jahrgang 1969, studierte von 1991-2000 Klassische Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck. Abschlüsse erfolgten erst 2016 (Bachelorstudium Archäologien) und 2017 (Masterstudium Archäologien). Er ist seit 2018 im Doktoratsstudium Philosophie an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck inskribiert und arbeitet seit 2005 in der Verwaltung der Medizinischen Universität Innsbruck.